Stell dir mal vor, du könntest dich mit gleichgesinnten Frauen treffen, mit denen du ungehemmt deine Weiblichkeit und spirituelle Kraft feiern würdest. Du würdest den Sommer begrüßen, Altes loslassen und Kreativität feiern. Überraschung: Das kannst du heutzutage tun, beispielsweise um den 1. Mai herum.
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ist Walpurgisnacht und damit gleichzeitig der Vorabend von Beltane, einem der ältesten keltischen Feste im Jahreskreis. Beide Feste feiern etwas Ähnliches: den Übergang vom Frühling in den Sommer, das Erwachen der Erde, das Wachsen, das Loslassen, das Lebendigwerden.
Die Walpurgisnacht hat für mich einen größeren Fokus auf Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und der Verbindung zu sich selbst, während Beltane für mich die Schöpfung ehrt und es mehr um Wachstum, Lebendigkeit und den Fokus auf Kreativität und Loslassen geht.
Wenn du Lust hast, in diesem Jahr eines der beiden Feste – oder sogar beide – etwas tiefgründiger zu begehen, dann möchte ich dir hiermit ein paar Ideen und Anregungen dazu geben.
„Walpurgisnacht“ und „Beltane“: Was steckt dahinter?
Der Name „Walpurgisnacht“ geht auf die Heilige Walburga zurück, die am 1. Mai heiliggesprochen wurde. Die Tage davor bezeichnete man als Walpurgistage. In der Breite bekannt wurde das Ganze vor allem durch Goethes Faust (Szenen 21 und 22), wo Hexen auf dem Brocken („Blocksberg“) tanzen und wo Mephisto (der Teufel) sich ebenfalls zu ihnen gesellt.
Beltane wiederum ist ein keltisches Fest, das den Sommerbeginn markiert, mit Feuer, Fruchtbarkeit, Natur und Kreativität als zentralen Themen. Beides zusammen ergibt für mich eine kraftvolle Einladung: Raus aus dem Kopf, rein ins Lebendige.
Walpurgisnacht feiern: Meine liebsten Rituale
Keine Sorge, du musst dafür nicht auf einem Besen durch die Gegend fliegen (wobei das schon echt cool wäre!). Aber ein bisschen Mut zur Wildheit schadet nicht.
Farbe(n) des Tages: Rot oder Grün
- Entzünde eine rote und eine grüne Kerze (oder mache ein kleines Lagerfeuer, wenn möglich)
- Trage rote Kleidung, insbesondere Dessous, für stärkeren Schwerpunkt auf Leidenschaft, Feuer, Kreativität und Fruchtbarkeit
- Trage grüne Kleidung für eine stärkere Betonung von Verbundenheit, Natur, Schöpfungsachtsamkeit und Wachstum
Ritual-Ideen:
Lagerfeuer

Beltane wird mit Feuer gefeiert, da es bei den Kelten eine reinigende, belebende und heilende Wirkung hatte. Zu Beltane wurden alle Feuer im Dorf gelöscht und es wurde ein einziges neues Feuer gemacht, aus dem dann alle anderen Feuer wieder gespeist wurden. Einen ähnlichen Brauch feiern Christen heute mit der Osterkerze.
Vielleicht findet ja am 1. Mai auch in deiner Gegend ein Mai-Feuer statt (wird auch „Hexenfeuer“ genannt, in Anlehnung an die Walpurgisnacht). Besuche es doch mal und betrachte die verzehrenden Flammen etwas genauer. Stelle dir vor, wie alles Schlechte und Böse vom Feuer vernichtet wird, um Platz für das Gute, Lebendige und Kreative zu machen.
Verbrenne einen Brief

Schreib auf einen Zettel, was du loslassen möchtest und verbrenne ihn (zum Beispiel, indem du ihn ins Lagerfeuer wirfst – oder alternativ in einer feuerfesten Schale verbrennst).
Laufe barfuß über Gras und Erde

Wenn es das Wetter erlaubt, laufe draußen barfuß. Spüre das Gras, die Erde, das Moos und die kleinen Steine an deinen Fußsohlen. Verbinde dich mit der Erde. Wenn du magst, versuche mal wirklich, die Füße ganz fest in den Boden zu stemmen und stelle dir vor, wie du Wurzeln schlägst, die dich stark und fest auf dem Boden halten.
Tanze, als würde niemand zusehen

Heimlich in der Küche oder öffentlich auf der Wiese beim „Tanz in den Mai“: Augen zu und treiben lassen. Lass die Sorgen mal Sorgen sein und gönne dir ein paar Minuten völliger innerer Schwerelosigkeit, indem du alles loslässt, was dich schwer macht.
Dekoriere mit Blumen und/oder bastle Kränze

Es ist ein uraltes Ritual, mit Naturmaterialien zu basteln und das Haus zu verschönern. Ob du dafür Blumen pflückst, getrocknete Blumen nimmst oder das benutzt, was dir die Natur ohnehin vor die Füße wirft, ist deine Entscheidung.
Solltest du noch Bäume schneiden, kannst du aus den biegsamen Zweigen auch schnell Kränze basteln: Einfach die Zweige in einem Topf in einen Kreis legen, ineinander verflechten, mit Bändern, Basteldraht oder Angelschnur festzurren und nach Belieben verzieren.
Säe aus bzw. pflanze ein
Chicorée, Erbsen, Radieschen, Möhren, Zwiebeln … der Boden ist jetzt bereit. Du auch? Arbeite am besten mit den Händen, ohne Handschuhe, um Kontakt zur Erde zu haben, und pflanze ganz achtsam und bewusst.
Bewusst kochen oder backen
Wenn du gerne kochst oder backst, mache das doch mal ganz bewusst und feiere die Reichhaltigkeit der Natur! Suche passende Rezepte mit regionalem und saisonalem Gemüse und Obst.
Ein kleiner Hausaltar – wenn du magst

„Altar“ ist vielleicht etwas hochgegriffen, aber so nenne ich den Bereich auf einer Kommode in unserem Esszimmer, den ich gemäß der Jahreskreisfeste schmücke. Ein paar Dinge auf der Fensterbank reichen allerdings auch völlig aus:
- frische Blumen,
- eine Kerze,
- vielleicht ein Stein aus dem Garten oder ein (Blumen)Topf mit Erde,
- ein Glas Wasser (ich habe eine Duftlampe mit Wasser, steht auf dem Bild neben meiner Impuls-Karte)
Das sind Symbole für Erde, Feuer, Wasser und Luft. Und die Absicht, die du damit verbindest, macht den Unterschied.
Ein Hausaltar kann eine visuelle Unterstützung sein, um sich im hektischen Alltag bewusst zu machen, was gerade „dran“ ist.

Optional und schön: Rosenquarz oder Karneol als Kristalle, etwas Räucherwerk oder Duftöl (Zedernholz erdet, Ylang-Ylang gleicht die Stimmung aus), ein kleiner Blumentopf mit frisch gesätem Samen. Ich habe meinen Weihnachtsstern aufgestellt, der vor ein paar Monaten fast eingegangen wäre, sich aber jetzt langsam berappelt, und frische Zweige aus dem Garten genommen.
Mögliche ätherische Öle, die dir im Mai helfen:
Je nach dem, was du bewirken willst, kannst du rund um Anfang Mai verschiedene Öle einsetzen. Hier ein paar Ideen:
Zum Loslassen (Verbrennen) und für Neubeginn:
- Ingwer
- Zimt
- Nelke
Zum Wohlbefinden und für innere Balance:
- Ylang-Ylang
- Jasmin
- Rose
Zum Erden:
- Zedernholz
- Vetiver
- Kiefer
Für Lebendigkeit und Freude:
- Zitrone
- Organge
- Mandarine
Kräutertee-Ideen:
- „Frauentee“ (Hibiskus, Frauenmantel, Fenchel – für Balance)
- Chai-Tee mit Zimt, Ingwer, Kardamom, Nelken und Pfeffer (zur Aktivierung)
- Basischer Kräutertee (z.B. mit Löwenzahnblättern, Schafgarbenkraut, Zitronenverbene, Brennnessel, Salbei)
Tipp: Trinke bewusst und in Ruhe, ohne Ablenkung. Feiere den Moment innerlich. Heiße den Frühling willkommen, stelle dich gedanklich schon auf Sommer ein (Beltane ist im keltischen Kalender der Sommerbeginn) und überlege, was jetzt in dir wachsen darf.
Reflexionsfragen, zum Beispiel für dein Journaling
- Was darf in mir wachsen?
- Wo halte ich mich zurück, z.B. aus Angst vor Ablehnung? Wie sähe es aus, wenn ich „zügellos“ in diesem Bereich wäre (leidenschaftlich, kreativ, tänzerisch)? Wie sähe es aus, wenn du dich ganz deiner Leidenschaft hingeben würdest?
- In welchen Bereichen unterdrücke ich meine Leidenschaft (auch sexuell)?
- Was darf gehen, damit ich mehr ich selbst bin?
Weder die Walpurgisnacht noch Beltane ist eine Pflichtveranstaltung. Beides ist eine Einladung an dich, innezuhalten, zu spüren, was gerade in dir lebendig ist, und das ein bisschen zu feiern. Mit Feuer, mit Blumen, mit direktem Kontakt zur Natur. Oder einfach mit einer guten Tasse Tee und der Erlaubnis, mal nicht produktiv zu sein.
Das ist mehr als genug.
