Sich selbst zu coachen, ist gar nicht so leicht, aber ich versuche es trotzdem. Ich habe dir von meinem „Tiefer leben“-Projekt erzählt, mit dem ich mir mehr Tiefe in meinem Leben erhoffe. Aber was heißt das konkret?
Bevor ich irgendwelche Pläne schmiede oder kopflos in Aktionismus verfalle, habe ich innegehalten und überlegt, wie ich vorgehen würde, wenn ich meine Kundin wäre. Und dann war es viel einfacher, die nächsten Schritte zu finden.
Wo stehe ich aktuell?
Stell dir vor, du setzt dich in ein Auto, trittst aufs Gaspedal und fährst einfach los – ohne zu wissen, wohin. Klingt abenteuerlich, oder? So leben die meisten Menschen. Aber wenn du in dieser gemütlichen Finca auf Mallorca ankommen möchtest, reicht es nicht, einfach draufloszufahren. Du musst wissen, wo du startest und wohin du willst, welche Route du nimmst und welche Zwischenstopps du einplanst.
Genau das Gleiche gilt für unser Leben. Bevor ich mich auf den Weg mache, möchte ich herausfinden, wo ich stehe und wo mein Ziel ist. Und dafür nutze ich das Lebensrad.
Aber wie finde ich heraus, wo ich stehe?
Ich nutze dafür am liebsten das „Lebensrad“.
Mehr zur „Lebensrad-Methode“
Das „Lebensrad“ oder auch „Level 10 Life“ gibt dir eine grafische Übersicht über die aktuellen Zustände in verschiedenen Bereichen deines Lebens.
Überlege dir zunächst, welche Bereiche dir in deinem Leben wichtig sind. Ich tracke in diesem Jahr folgende:
Fitness (Wie zufrieden bin ich mit meinem Körper und meiner Fitness?)
Routinen (Wie funktionieren die „Systeme und Strukturen“?)
Ehe
Inspiration und Kreativität (wie oft fühle ich mich inspiriert? Wie oft bin ich kreativ?)
Wohlstand (Wie geht’s den Finanzen, besonders auch mindsetmäßig)
Umgebung (unser Zuhause – wie wohl fühle ich mich?)
Natur und die Welt (verbringe ich ausreichend viel Zeit in der Natur? Hierzu zähle ich auch Ausflüge/Reisen)
Denken und Philosophieren (wie sehr beschäftige ich mich mit großen Fragen?)
Elternschaft (wie bewerte ich meine Rolle als Mutter? Wie „gut“ mache ich es gerade?)
Ruhe und Meditation (bekomme ich genug Zeit für Selbstfürsorge? Meditiere ich regelmäßig?)
Beziehungen (baue ich neue Freundschaften auf und erhalte alte?)
Achtsamkeit und Zeit (wie sehr bin ich im Hier und Jetzt? Wohin geht meine Zeit?)
Resilienz (wie steht’s um meine Psyche?)
Hier findest du Beispiele auf Pinterest.
Du kannst deine eigenen Kategorien wählen – es gibt keine richtigen oder falschen Bereiche, nur die, die dir wichtig sind. Du listest deine Punkte dann entweder untereinander auf oder trägst sie in einem Kreis zusammen (siehe Beispiele).
Bewerte jeden Punkt auf einer Skala von 1 bis 10.
Schreibe mit 1 bis 2 Sätzen auf einer neuen Seite auf, wie du zu deiner Bewertung kommst und was dein Ziel ist.
Ich habe zum Beispiel jahrelang nur 4 von 10 Punkten bei „Freundschaft“ (Beziehungen) vergeben, weil ich wusste, dass der Bereich eigentlich vernachlässigt wird, ich aber gerade keinen Fokus darauf legen wollte.
Indem du monatlich oder wöchentlich diese Auflistung machst, kannst du sehen, wie sich die Bereiche in deinem Leben entwickeln.
Ich tracke recht viele Punkte, weil ich mir ja ein ganzes Jahr Zeit nehmen will, die Bereiche anzugehen. Wenn du fokussierter vorgehen willst, dann nimm weniger Lebensbereiche hinein.
Wichtig ist nicht, perfekte Zahlen zu erreichen, sondern zu erkennen, wo du stehst und wohin du willst. Denn erst dann kannst du deine Reise bewusst beginnen.
Bei mir sieht das zum Start des Projekts so aus (Stand: 11.2.2025)
Fitness: 3/10 ⭐️⭐️⭐️
Routinen: 5/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Ehe: 5/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Inspiration und Kreativität: 7/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Wohlstand: 5/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Umgebung: 3/10 ⭐️⭐️⭐️
Natur und die Welt: 2/10 ⭐️⭐️
Denken und Philosophieren: 4/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️
Elternschaft: 6/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Ruhe und Meditation: 6/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Beziehungen: 5/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Achtsamkeit und Zeit: 5/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Resilienz: 7/10 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
(Durchschnitt: 4,8 Sterne)
Wohin soll die Reise gehen?
Nun weiß ich, wo ich stehe. Ich habe mir für jeden Punkt überlegt, warum ich ihn so bewerte. Aber was soll das Ziel dieses Projekts sein? „Tiefer leben“, was soll das heißen?
Für mich bedeutet es, dass ich in allen Bereichen um durchschnittlich 1-2 Punkte besser werden will, wobei ich überall eine Minimumzahl von 5 möchte. Mein Durchschnitt von 4,8 soll sich am liebsten auf 7 erhöhen – das ist mein „Streckziel“, also ein Ziel, für das ich mich ziemlich anstrengen muss.
Als kleine, aber sehr ermutigende Übung schreibe ich mir in meinem Notizbuch außerdem auf, wie mein Leben in einem Jahr aussehen soll.
Wie komme ich dort hin?
Start und Ziel sind klar, aber wie komme ich von A nach B, resp. von 4,8 auf 7?
Das weiß ich wohl erst wirklich, wenn ich es geschafft habe. Aber raten kann ich ja mal: Wenn ich versuche, alles gleichzeitig hinzukriegen, verzettele ich mich. Wenn ich mich nur auf einen Bereiche konzentriere, verliere ich zu schnell die Lust. Deshalb werde ich mehrere Bereiche gleichzeitig angehen, die sich abwechseln dürfen.
Mein Plan für den ersten Monat:
- UMGEBUNG: Ich bringe 1-2 Räume auf Vordermann, indem ich ausmiste und alles neu ordne. Wenn möglich, möchte ich auch in der Deko ein paar Dinge ändern.
- ROUTINEN UND SYSTEME: Ich möchte ausprobieren, wie ich „täglich 15 Minuten aufräumen“ in unseren Alltag integrieren kann.
- FITNESS / NATUR: Ich werde meine Tochter morgens zu Fuß zur Schule bringen (= ca. 20 Min Bewegung) und nachmittags häufiger mit den Kindern rausgehen. Außerdem stelle ich meine Ernährung so um, dass ich kaum noch Zucker esse und mehr auf meine Kalorienzufuhr achte.
- EHE: Ich beginne einen Selbstlernkurs für bessere Beziehungen.
- eventuell werde ich auch alte Freundinnen treffen – das ist aber eher ein Bonusziel.
Die restlichen Bereiche möchte ich im Niveau möglichst halten.
In der Übersicht:
KATEGORIE | IST-ZUSTAND | ZIEL NACH EINEM MONAT |
Umgebung (Zuhause, Ordnung) | 3 ⭐️⭐️⭐️ | 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Routinen und Systeme | 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ | 6 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Fitness | 3 ⭐️⭐️⭐️ | 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Natur und Ausflüge | 2 ⭐️⭐️ | 4 ⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Ehe | 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ | 7 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ |
Ich bin selbst gespannt, wie das klappt 😅
Ich halte mich an diese Regeln
Kein Wettkampf ohne Regeln! Um dieses Projekt durchzuhalten und um mir selbst einen gewissen Rahmen zu geben, habe ich mir für mich folgende Regeln oder Gebote überlegt:
Sei unperfekt
Es ist verführerisch, von den nackten Zahlen etwas Persönliches abzuleiten. „Nur 2 Punkte bei Natur? Ich bin so eine Couchpotatoe. Kein Wunder, dass ich immer weiter zunehme, wenn ich mich kaum bewege. Ich gehe total nachlässig mit mir um.“ Und so weiter.
Das ist nicht erlaubt. Alles, was ich „bewerte“, muss in Selbstliebe gebadet und mit professioneller Distanz mariniert werden – eben genau so, wie ein Coach es bei seiner Kundschaft macht.
Es heißt aber auch, dass ich unperfekt agiere, wenn ich über dieses Projekt berichte. So sehr ich Ästhetik liebe, ich weiß, dass ich keine Insta-Beiträge machen werde, die meinem Wunsch nach Ästhetik entsprechen.
Dokumentiere die Reise
Ich mache das Projekt öffentlich, weil ich mich kenne: Nur dann werde ich tatsächlich regelmäßig Updates machen und mich zwingen, darüber zu schreiben. Ich möchte meine Veränderung in diesem Jahr auch durch Fotos und Videos dokumentieren (viele davon mit meinen Kindern, weshalb du sie kaum sehen wirst).
Wenn es einfach geht, mache es einfach.
Ich will nicht verbissen werden und wie eine Verrückte an irgendwelchen Zielen arbeiten, bei denen ich andere Bereiche völlig vernachlässige. Manchmal neigen wir dazu, Dinge zu kompliziert zu machen. Da ich mehr Minimalismus in unserem Leben haben möchte, will ich auch vieles „einfach“ (simpel) aufbauen.
Dazu gehört dann auch die generell Frage: Wie würde das aussehen, wenn es einfach wäre?
Mache alles mit Liebe
Das passt noch zum ersten Punkt, verdient aber eine eigene Regel. Ich möchte generell liebevoller mit meinen Mitmenschen umgehen, aber auch mit mir. Das betrifft in erster Linie Gedanken, die durch meinen Kopf ziehen. Ich vermeide Selbstvorwürfe und ich will unbedingt negative Aussagen meinen Kindern gegenüber vermeiden (aktuell rutscht mir manchmal ein „Du bist so …“ heraus, das gewöhne ich mir ab).
Du kannst nicht scheitern
Was mich am meisten von Veränderung abhält, sind einerseits der Aufwand und andererseits die Möglichkeit, (öffentlich) zu scheitern. Ich meine, wenn ich meine Ziele hier nicht erreiche, dann wisst ihr alle das und bewertet es entsprechend 😅 Deshalb gilt die Regel: Du kannst gar nicht scheitern. Jeder Versuch, den Status Quo zu verändern, ist bereits ein Erfolg. Es geht um den Versuch, nicht um das Ergebnis.
Der Plan darf sich ändern
Stell dir vor, du fährst gerade Richtung Süden, um irgendwann auf Mallorca anzukommen, und hast eigentlich geplant, drei Stunden durchzufahren. Aber dann taucht dieses wunderschöne alte Schloss auf, das dich gefangen nimmt. Du könntest einen Abstecher machen … tust du es?
Ich bin der Meinung, dass sich Pläne ändern dürfen, wenn es auf das Gesamtziel einzahlt. Wichtig ist für mich die Reflexion dabei: Warum ändere ich den Plan? Prokrastiniere ich? Renne ich vor etwas weg? Oder ist es wirklich zielführend, das zu tun?

Zusammenfassung
- Ich möchte in einem Jahr ein tiefgründigeres, erfüllteres Leben führen.
- Aktuell liegt die Zufriedenheit und Tiefe in meinem Leben bei einer durchschnittlichen Bewertung von 4,8/10.
- Mein Ziel ist, bei einem Durchschnitt von 7 oder mehr zu landen
- Dazu nehme ich mir verschiedene Bereiche vor und arbeite vorsätzlich und systematisch daran.
- Ich dokumentiere meine Reise – in erster Linie für mich selbst, aber ich lasse euch daran teilhaben.
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